Graduiertenkollegs sind (wie auch „Graduiertenschulen“) Programme strukturierten Promovierens. In einem gemeinsamen Forschungsfeld werden Gruppen von Doktoranden/innen (mit ihren jeweils eigenen Dissertationsprojekten) durch eine Gruppe von Professoren/innen und mit einem eigenen Veranstaltungsprogramm besonders intensiv betreut.
Professoren/innen des Instituts für Philosophie sind an mehreren DFG-Graduiertenkollegs sowie an der im Aufbau befindlichen Graduiertenschule „Urban Grad“ (interdisziplinäre Stadtforschung) beteiligt.
Mehr zu Forschungsfeldern, Doktoraden/innen und Projekten finden Sie auf den Netzauftritten der Kollegs:
Der Forschungsgegenstand des Ende 2006 gestarteten DFG-finanzierten Graduiertenkollegs ist das Spannungsfeld von Technik und Raum.
Das interdisziplinäre DFG-Graduiertenkolleg Topologie der Technik befasst sich mit Fragen, die sich in Bezug auf Technisierungsprozesse und deren räumlichen, Raum verändernden und Raum bildenden Dimensionen stellen. Es besteht seit Oktober 2006 aus 18 Doktoranden und 2 Postdoktoranden aus den Ingenieurs-, Sozial-, Geistes-, Wirtschafts- und Humanwissenschaften und ist seither von der Deutschen Forschungsgemeinschaft beauftragt, die genannten Dimensionen nicht allein in domänenspezifischen Einzelprojekten, sondern gemeinsam und fachübergreifend zu erforschen. Untersucht werden mit Technik durchzogene, infrastrukturelle großtechnisch erschlossene, informationstechnologisch vernetzte oder globalisierte Räume: technisierte überwachte öffentliche und private Räume, virtuelle Räume wie etwa der Cyberspace, das Ubiquitous Computing oder technogene Umgebungen, in welchen Technik wirksam wird (Labors, Büroräume, Produktionsstätten und global engineering, Luftverkehrwege, städtische Flächen und Ballungsräume, militarisierte Zonen). Das Graduiertenkolleg Topologie der Technik knüpft einerseits an das durch das Vorgängerkolleg Technisierung und Gesellschaft entwickelte Konzept der Technik als „materielles Dispositiv“ an und hat andererseits ein raumtheoretisches Forschungsinteresse.
Interdisziplinäres Graduiertenkolleg Qualitätsverbesserung im E-Learning durch rückgekoppelte Prozesse,
Einführung in das Graduiertenkolleg E-Learning
8 Februar, 2007 - 12:53 — Philipp Scholl
Was ist E-Learning?
E-Learning umfasst das breite Feld elektronisch unterstützter Lehr- und Lernformen, in denen verschiedenste didaktische Szenarien realisiert werden können. In unseren Forschungsarbeiten untersuchen und implementieren wir E-Learning-Anwendungen, die von der Unterstützung selbstregulierten oder informellen Lernens im Web über kooperatives Hypervideo bis hin zur Nutzung von digitalen Spielen und virtuellen Räumen im Lernkontext reichen.
Warum muss die Qualität im E-Learning verbessert werden?
Seit mehr als 40 Jahren ist die Debatte um elektronisch unterstütztes Lernen geprägt von überzogenen Verheißungen, wachsendem Potential und unzureichenden praktischen Erfolgen. Dabei ist die Diskrepanz zwischen In-vitro-Erfolgen und unbefriedigender Praxis besonders groß. Insbesondere die Breitenwirksamkeit und Nachhaltigkeit enttäuschen bisher. Denn E-Learning führt nicht automatisch zu einer Qualitätsverbesserung von Lehr-Lernprozessen.
Aufgrund der globalen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung des (lebenslangen) Lernens im Informationszeitalter ist die breitenwirksame und nachhaltige Erschließung der Potenziale von neuen Lehr- und Lernformen jedoch mehr denn je bedeutsam für die Zukunft unserer Gesellschaft. Daher stehen bei allen unseren Forschungsprojekten die Qualitätssicherung und -steigerung des Lernens durch E-Learning im Zentrum.
Was umfasst Rückkopplung?
Unser Rückkopplungsbegriff ist breit gefasst. Wir unterscheiden dabei insbesondere zwei Teilaspekte: Personale Rückkopplung beschreibt die Rückkopplung (Erfassung, Auswertung und qualitätsverbessernde Rückführung) von Qualitätsmerkmalen primär durch den Menschen. Digitale Rückkopplung wird pointierend als Begriff für die Rückkopplung primär durch Computer (inklusive Medien und Netz) gewählt.
Der zentralen Forschungsidee des GK entsprechend spielt die synergetische Mischung aus menschlichen und technischen Komponenten eine entscheidende Rolle. Insofern bewegen sich diese Ansätze aufeinander zu: personale Rückkoplung wird technisch unterstützt, technische Rückkopplung mündet in personale Reflexion.
Darüber hinaus untersuchen wir zwei weitere Rückkopplungsformen, die Reflexion sowie die Metareflexion (Evaluation des etablierten Prozesses).
Detailliertere Informationen hierzu finden Sie auf der Seite Forschung.
Wie kann die Qualität im E-Learning durch rückgekoppelte Prozesse verbessert werden?
Rückgekoppelte Prozesse sind für die Qualitätsverbesserung von E-Learning in allen beteiligten Disziplinen zentral. Beispielhaft seien folgende Aspekte genannt:
Rückkopplung/Feedback dient der Erhöhung von Adaptivität, wenn sich ein technisches System auf die Nutzer einstellt (z.B. Context Aware Computing).
Rückkopplung in Form von Evaluation beeinflusst die Qualität nachfolgender Zyklen. An der TU Darmstadt laufen Arbeiten zur Objektivierung und Steuerung von Qualität bzw. Qualitätsmerkmalen, bisher unter anderem gruppiert um die Frage eines möglichst objektiven Gütesiegels.
Rückkopplung als bidirektionale kommunikative Rückmeldung ist eine für die soziale Dimension des Lernens höchst bedeutsame Dimension. Diese wird insbesondere in Lehr-Lern-Situationen, in denen eine unmittelbare personale Begegnung schwierig ist (zum Beispiel in den sogenannten Massenveranstaltungen), durch Computerunterstützung oft erst ermöglicht.
Was ist ein Graduiertenkolleg?
Ein Graduiertenkolleg (auch Promotionskolleg oder Doktoratskolleg) ist ein befristetes, systematisch angelegtes Studien- und Forschungsprogramm, das zumeist einer umfassenden Themenfestlegung im Forschungszusammenhang unterworfen ist. Organisiert und finanziert werden derartige Programme sowohl von Universitäten als auch von Stiftungen. In Deutschland fördert vor allem die DFG die Einrichtung von Graduiertenkollegs. In der Regel werden Doktoranden angestellt oder erhalten ein Stipendium. Meist beinhaltet ein Graduiertenkolleg regelmäßige Lehrveranstaltungen, Speziallehrveranstaltungen, Seminare, Kolloquien oder Workshops. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Seite Studienprogramm.
Warum ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg?
E-Learning ist hochgradig interdisziplinär. Es ist gleichermaßen Forschungs- und Gegenstandsfeld von Ingenieur-/Natur- und Geistes-/Sozialwissenschaften. Das Graduiertenkolleg verbindet daher bewusst gleichberechtigt die zwei sonst streng getrennten Wissenschaftskulturen; es ist auf die Qualifizierung von Kollegiaten mit deutlich interdisziplinärem Wissenschafts- und Selbstverständnis ausgerichtet. Weiterhin vergrößert Interdisziplinarität das Erfahrungspektrum der Kollegiaten und fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen den beteiligten Disziplinen.v
Das Graduiertenkolleg Technisierung und Gesellschaft arbeitet im Feld geistes- und sozialwissenschaftlicher Technikforschung.
Das Graduiertenkolleg Technisierung und Gesellschaft arbeitet im Feld geistes- und sozialwissenschaftlicher Technikforschung. Das bedeutet, dass nicht die Technik selbst Thema ist, sondern vielmehr menschliche Verhaltensweisen, Handlungs-, Denk- und Organisationsformen, insofern sie technisiert werden. Um Technisierungsprozesse erfassen zu können, wird von einem Technikbegriff ausgegangen, nach dem Technik nicht einfach eine Kenntnisweise oder die Regel zweckrationalen Handelns bedeutet; von Technisierung wird vielmehr gesprochen, wenn Technik als materielles Dispositiv in menschlichem Verhalten, sei es nun Wahrnehmung, Denken, Handeln oder Organisation strukturbildend ist.
Die einzelnen Forschungsaufgaben werden grundsätzlich interdisziplinär definiert. Durch die Art des Ausbildungsprogramms soll eine hohe Integration der Forschungsgruppe erreicht werden und eine wechselseitige Befruchtung der aus verschiedenen Disziplinen und Forschungstraditionen stammenden Teilnehmer. Das Ausbildungsprogramm muss deshalb sicherstellen, dass es für alle Graduierten eine Fortbildung in wissenschaftlicher Methodologie enthält. Da die Forschungsgegenstände Entwicklungsprozesse sind, wird bei allen Untersuchungen die historische Dimension eine Rolle spielen.
Das Graduiertenkolleg setzt sich zum Ziel, durch seine Forschungen zur Aufklärung der Frage, was es bedeutet, dass wir in der technischen Zivilisation leben, beizutragen. Es will einen Beitrag zur Bewusstmachung aktueller Umbrüche leisten, um, soweit das die Wissenschaft kann, Voraussetzungen für eine politisch-moralische Regelung dieser Prozesse zu schaffen.v